Gibt das Leben dir Zitronen, fordere Salz und Tequila dazu!

Studieren. Viele Berufstätige blicken auf „die Studenten“ mit einem neidischen Seufzer. Die beste Zeit im Leben. Man ist jung, naiv, entschlossen. Jede Woche Party feiern, Nächte durchmachen, lange ausschlafen und faul auf der Couch liegen. Ach ja – zwischendurch ein bisschen in die Uni gehen… so zumindest denken Verwandte, Arbeitgeber und manche Freunde. Zugegeben, die Nächte durch macht Jonas auch, jedoch aus einem anderen Grund!

Pitcher Wenn das Feierabendbier zum Job wird.

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Quelle: Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012“

Um den Lebensunterhalt zu finanzieren übernehmen 2 von 3 Studenten einen Nebenjob.

Als Student ist man hauptberuflich am Lernen. Man hat fast jeden Tag eine Veranstaltung in der Universität, besucht Vorlesungen, hat in Seminaren Anwesenheitspflicht und zu Hause vertieft man sich in Fachliteratur. Wenn man jetzt noch den Schlaf, Haushalt, Sport, Freunde und zumindest ein bisschen Freizeit einrechnet, sind 24 Stunden schnell voll. Ohne die Unterstützung von Mama & Papa oder BAföG wäre das Konto schnell im Minus. Doch für knapp zwei Drittel der Studenten ist auch eine solche finanzielle Absicherung nicht ausreichend. Deshalb stellen sie sich der Herausforderung und bringen Studium und Nebenjob unter einen Hut. Finanziell unabhängig zu sein, sich etwas vom „eigenen Geld“ leisten zu können, ist vielen dabei sehr wichtig.

Da wird aus dem Notizheft in der Uni schnell der Bestellblock für die Gäste in der Bar.

 

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Quelle: Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012“

Manche Studenten arbeiten als wissenschaftliche Hilfskraft (als wissenschaftliche Hilfskraft bzw. studentische Hilfskraft werden Beschäftige bezeichnet, die sich an einer Hochschule im Bereich der Forschung und Lehre einbringen und als Assistenz verschiedene Aufgaben übernehmen), manche als Werkstudenten (Werkstudenten arbeiten in der Regel in Bereichen, die ihrem Studium entsprechen und versuchen nach Möglichkeit mit ihrem Arbeitgeber eine Lösung zu finden, das Studium in den Job einzubinden. Dabei sammeln sie Erfahrungen und knüpfen erste Kontakte für Praktika oder für eine spätere Vollzeitbeschäftigung) und andere sind Aushilfen in unterschiedlichen Betrieben, vorrangig im Büro/Sekretariat und – wie in diesem Beispiel – der Gastronomie.

Jonas arbeitet seit ungefähr einem Jahr in einer Bar. Durchschnittlich ist er in der Woche zwei bis vier Mal dort. Routiniert und sicher meistert er dort einen Abend nach dem anderen.

Die Arbeit mit netten Kollegen und unkomplizierten Gästen kann sehr viel Spaß machen. Doch wegen Nörgeleien und Beschwerden von Kunden , die beispielsweise ein Glas Wein zurück geben, weil es korkig ist oder durch lustlosen Mitarbeitern, wird der Abend lang.

Longdrink Ein Drink muss billig sein und voll rein hauen, wie das Studium.

Man steht morgens auf, geht in die Uni, lernt in der Bibliothek und beendet seinen Tag hinter der Bar, wo man anderen Leuten einschenkt die auf ihren Feierabend anstoßen, der einem selbst noch verwehrt ist. Und wenn man schließlich nach Hause kann, ist es spät und der Wecker für den nächsten Tag schon gestellt.

Die Möglichkeit eines selbständigen Lebens ist hart erarbeitet. Dass man dabei nur vier Stunden Schlaf abbekommt ist nicht selten. Aufmerksamkeit in der Uni kann sich dabei erst nach dem dritten Kaffee einstellen, der dann so um die Mittagszeit wirkt. Einfach liegen zu bleiben ist natürlich verlockend. Das mag am Anfang des Semesters noch gehen, aber je näher die Prüfungen rücken, desto wichtiger werden die Vorlesungen.
Angst diese nicht zu bestehen hat Jonas nicht, stressig ist es trotzdem.

Die Bar liegt direkt am Rhein in Mainz. Ein schöner Ort um unter Kollegen schnell noch ein Feierabendbier zu trinken oder als Start für Studenten zu einer abendlichen Kneipentour. An sich trifft man hier eher „gehobenere Kundschaft“. Den typischen Stammgast, der jeden Abend sein Bier trinkt erwischt man seltener. Jonas fühlt sich trotzdem wohl in dieser Umgebung. Die Kollegen sind größtenteils in seinem Alter und das Arbeitsklima untereinander ist entspannt bis der Trubel des Abends los geht – dann kann einem schnell gefühlt die Decke auf den Kopf fallen…

Dabei begenet man so manchen Gästen, „die einem an der Intelligenz unserer Rasse zweifeln lassen und am allgemeinen Menschenverstand. Da wird man dann schonmal gefragt ob das Fleisch der Burger von glücklichen Tieren kommt, ob diese vor dem Schlachten glücklich waren.“

Shot Kurz, Stark, Bitter-Prüfungen

Trotz seines engen Zeitplans bleibt auch Jonas nicht von dem verschont, was alle Studenten am Ende jedes Semesters erwartet: Prüfungen. Unsere ersten Dreharbeiten beginnen dementsprechend an seinem Lernplatz in der Bibliothek und enden auch dort. Mitten in der Prüfungsphase bleibt nicht viel Freizeit. Den Kopf freibekommen zwischen Speisekarten und Büchern, Strohhalmen, Cocktailschirmchen, Stiften und Radiergummi ist und bleibt eine echte Herausforderung. Für den Großteil aller Studenten ist dies Alltag und notwendig. Jonas ist also nicht allein. Trotz Stress kann die ein oder andere Schicht auch eine erlösende Abwechslung sein und ein willkommener Grund die Nase aus den Unterlagen zu ziehen. Schwierig ist, die richtige Balance zwischen Arbeit und Studium zu finden. Dazu gehört auch der passende Arbeitgeber, der versteht, wenn die Zeit fehlt – eine Seltenheit.

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Barkeeper-Grafik-Einnahmen
Quelle: Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012“

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Quelle: Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012“

Professoren sagen immer „eine zweistündige Vorlesung muss man zwei Stunden vor- und zwei Stunden nachbereiten“ – na gut, daran hält sich wahrscheinlich wirklich keiner – aber den Stoff aufzubereiten (gerade wenn es auf die Klausuren zugeht und einem mal wieder auffällt, dass man viel zu spät angefangen hat) ist enorm zeitintensiv und fordernd. Es kostet Kraft und Energie, Disziplin und Durchhaltevermögen. Disziplin vor allem in der Struktur des Tages, um alles zu schaffen – nicht zu trödeln, weil man ja abends wieder Schicht hat. Und Durchhaltevermögen, weil man sich meistens nicht einmal damit retten kann, dass in den Semesterferien der ganze Stress vorbei ist. Denn dann wird der Nebenjob zum Fulltime-Job und man holt Stunden nach, die man in der Klausurenphase geschoben hat oder arbeitet ein bisschen vor, um im nächsten Semester einen Puffer zu haben.

Seine Freizeit muss Jonas sich klar einteilen. Er muss jeden Tag planen und versucht es möglichst so zu organisieren, dass er circa drei Stunden hat, an denen er nicht arbeitet oder lernt und wenn möglich einmal pro Woche frei hat. Das ist dann seine Zeit des lockeren, „entspannten“ Studentenlebens.

Die stressige Doppelbelastung hat aber auch handfeste Vorzüge: als Student mit Nebenjob beweist man Ehrgeiz sowie Elan und zeigt, dass man seine Zeit gut managen kann. Im Lebenslauf macht sich so etwas immer gut. Manche Studenten ergattern auch einen Platz in einem studienrelevanten Bereich, können so praktische Erfahrungen sammeln und ihre Einstiegschancen in der Zukunft erhöhen.

Jonas hat es für dieses Semester geschafft, die Prüfungen sind vorbei und allesamt gut gelaufen. Nächstes Semester wird der Balanceakt zwischen Studium und Arbeit wieder losgehen, die Herausforderung bleibt. Wir wünschen Jonas weiterhin viel Glück auf seinem Weg zum erfolgreichen Abschluss!

 

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